Blog

Wann vor Gericht und wann in die Mediation

Lesezeit 8 min
PDF herunterladen

Sprache

PDF herunterladen PDF · 432 kB · 5 Seiten

A4 mit Titelblatt und Impressum – zum Drucken oder Weiterleiten.

„Ich will das vor Gericht bringen.“ Diesen Satz höre ich von Mandanten regelmäßig, und meine erste Reaktion ist immer dieselbe: „Warum?“

Das Gericht muss keine schlechte Wahl sein, manchmal ist es sogar die einzig richtige. Die meisten Mandanten gehen aber automatisch davon aus, dass es keinen anderen Weg gibt, einen Streit zu lösen. Dabei ist das Gericht nur einer von mehreren Wegen und nicht immer der beste.

Die Wahl zwischen Gericht, Mediation und Schiedsverfahren ist eine strategische Entscheidung, die Verlauf, Kosten und Ergebnis eines Streits grundlegend prägt. Trotzdem wird ihr überraschend wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Vier Entscheidungsfaktoren

1. Art des Streits: Prinzip oder Geld?

Zuerst müssen Sie klären, ob es Ihnen ums Prinzip oder ums Geld geht.

Geht es ums Prinzip, also um einen Präzedenzfall, ein Schuldeingeständnis oder die öffentliche Bestätigung, dass die Gegenseite rechtswidrig gehandelt hat, ist das Gericht wahrscheinlich die richtige Wahl. Ein Urteil hat Autorität und sagt: „So ist es.“ Eine Mediationsvereinbarung sagt: „So haben wir uns geeinigt.“ Zwischen beiden Ergebnissen liegt ein grundlegender Unterschied.

Geht es vor allem ums Geld, etwa um eine offene Forderung, einen Ausgleich für mangelhafte Leistung oder eine finanzielle Auseinandersetzung, prüfen Sie, ob das Gericht wirklich der effizienteste Weg zu Ihrem Geld ist. Das Gericht ist teuer und langsam, und das Ergebnis ist nicht garantiert.

Ich hatte einen Mandanten, der seinen ehemaligen Geschäftspartner auf zwei Millionen Kronen (rund 80 000 EUR) verklagen wollte. Er hatte Recht, der Partner hatte den Vertrag gebrochen. Das Gerichtsverfahren hätte aber zwei bis drei Jahre gedauert, die Anwaltskosten wären in die Hunderttausende gestiegen, und es drohte, dass der Partner zwischenzeitlich Vermögen beiseiteschafft. In der Mediation einigten sie sich innerhalb von drei Monaten auf 1,6 Millionen. Der Mandant bekam weniger als gefordert, dafür schnell, sicher und ohne weitere Kosten.

2. Beziehung zur Gegenseite: Werden Sie sich wiedersehen?

In der Hitze des Gefechts blenden Mandanten diesen Faktor völlig aus, obwohl er entscheidend ist.

Ein Gerichtsverfahren ist von Natur aus konfrontativ: Es erzeugt einen Gewinner und einen Verlierer. Selbst wenn Sie gewinnen, ist die Beziehung zur Gegenseite meist unwiderruflich beschädigt.

Werden Sie die Gegenseite nie wiedersehen, weil es sich um einen ehemaligen Lieferanten oder einen zufälligen Schuldner handelt, spielt die Beziehung vielleicht keine Rolle. Ist es aber Ihr Geschäftspartner, ein Nachbarunternehmen oder ein Subunternehmer, mit dem Sie an weiteren Projekten arbeiten, kann Sie der Rechtsstreit mehr kosten, als Sie erstreiten. Sie verlieren nämlich eine Geschäftsbeziehung, die einen Wert hatte.

Die Mediation erhält die Beziehung in der Regel. Statt zu fragen, wer Recht hatte, sucht sie nach einer Lösung, und das ist im Geschäftsleben oft weit mehr wert.

3. Beweise: Haben Sie genug, damit das Gericht entscheiden kann?

Das Gericht entscheidet danach, was Sie beweisen können. Was Sie wissen oder für „gerecht“ halten, reicht ihm nicht.

Bevor Sie sich für das Gericht entscheiden, fragen Sie sich, welche Beweise Sie haben. Einen Vertrag? E-Mails? Zeugen? Ein Sachverständigengutachten?

Wenn ja, ist das Gericht ein realistischer Weg. Wenn nein, ist es ein Glücksspiel, und kein verantwortungsvoller Anwalt sollte Ihnen raten, mit Ihrem Geld und Ihrer Zeit zu spielen.

Die Mediation kennt keinen Beweisstandard. Der Mediator entscheidet nicht, wer Recht hat, sondern hilft den Parteien, eine für beide annehmbare Lösung zu finden. Auch wenn Ihre Beweise für ein Gericht nicht reichen, können Sie in der Mediation ein vernünftiges Ergebnis erzielen, weil auch die Gegenseite einen Grund hat, den Streit zu beenden.

4. Zeit und Geld: Wie viel können Sie sich leisten?

Über diesen Faktor wird am wenigsten gesprochen, dabei entscheidet er am meisten.

Zivilverfahren vor den Bezirksgerichten dauerten nach Angaben des tschechischen Justizministeriums 2024 im Durchschnitt etwa acht Monate (247 Tage). Sachen, für die in erster Instanz die Kreisgerichte zuständig sind (etwa Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern, aus unlauterem Wettbewerb oder aus geistigem Eigentum), dauerten 2024 im Durchschnitt 662 Tage, also knapp zwei Jahre. Ein komplexerer Streit mit Sachverständigengutachten, Berufung und Revision (dovolání) kann sich deshalb leicht über mehrere Jahre hinziehen. Die ganze Zeit über zahlen Sie Anwalt, Gerichtsgebühren und Sachverständige und haben trotzdem keine Gewissheit über das Ergebnis.

Eine Mediation dauert meist einige Wochen bis Monate und kostet einen Bruchteil eines Gerichtsverfahrens. Zudem behalten Sie die Kontrolle über das Ergebnis: Die Einigung entsteht im Konsens, und kein Dritter entscheidet für Sie.

Vergleich: Gericht vs. Mediation vs. Schiedsverfahren

Die wichtigsten Unterschiede aus Mandantensicht:

Dauer. Gericht: Monate bis Jahre (komplexere Streitigkeiten mit Sachverständigem und Berufung mehrere Jahre). Mediation: Wochen bis Monate. Schiedsverfahren: Monate bis ein Jahr.

Kosten. Gericht: Gerichtsgebühren + Anwalt + Sachverständige. Mediation: Mediatorenhonorar (geteilt) + ggf. Anwalt. Schiedsverfahren: Schiedsgerichtsgebühren + Anwalt.

Kontrolle über das Ergebnis. Gericht: keine, der Richter entscheidet. Mediation: volle, Einigung im Konsens. Schiedsverfahren: keine, der Schiedsrichter entscheidet.

Vollstreckbarkeit. Gericht: Ein rechtskräftiges und vollstreckbares Urteil ist Vollstreckungstitel. Mediation: Die Vereinbarung ist nur dann direkt vollstreckbar, wenn das Gericht sie als Vergleich genehmigt oder die Parteien sie als notarielle Urkunde mit Unterwerfung unter die sofortige Vollstreckung errichten. Schiedsverfahren: Ein rechtskräftiger Schiedsspruch ist Vollstreckungstitel.

Öffentlichkeit. Gericht: öffentlich (mit Ausnahmen). Mediation: nicht öffentlich, der Mediator ist zur Verschwiegenheit verpflichtet; Vertraulichkeit zwischen den Parteien muss vereinbart werden. Schiedsverfahren: nicht öffentlich.

Auswirkung auf die Beziehung. Gericht: schadet in der Regel. Mediation: bewahrt in der Regel. Schiedsverfahren: kommt auf den Verlauf an.

Wann ein Schiedsverfahren der dritte Weg ist

Das Schiedsverfahren liegt irgendwo dazwischen. Es ist schneller als das Gericht, aber formeller als die Mediation. Es ist nicht öffentlich, was Sie schätzen werden, wenn Ihr Streit nicht bekannt werden soll. Ein Schiedsspruch ist zudem direkt vollstreckbar, während eine Mediationsvereinbarung noch einen zusätzlichen Schritt braucht.

Es hat aber auch Nachteile. Ein Schiedsverfahren ist in der Regel eininstanzlich. Eine Überprüfung des Schiedsspruchs durch andere Schiedsrichter ist nur möglich, wenn die Parteien sie in der Schiedsvereinbarung vorgesehen haben (§ 27 des tschechischen Schiedsverfahrensgesetzes). Ein Gericht prüft den Schiedsspruch nicht in der Sache, sondern kann ihn nur aus eng umgrenzten Gründen aufheben. Entscheidet der Schiedsrichter falsch, haben Sie also nur sehr begrenzte Korrekturmöglichkeiten. Bei größeren Streitigkeiten können die Schiedsgerichtsgebühren zudem die Gerichtsgebühren übersteigen.

Ein Schiedsverfahren ist sinnvoll bei internationalen Streitigkeiten, bei Streitigkeiten mit einer Schiedsklausel im Vertrag und dort, wo Vertraulichkeit oberste Priorität hat.

Die Wahl des Forums ist die halbe Strategie

Ich sage es meinen Mandanten regelmäßig: Die richtige Wahl des Forums ist die halbe Strategie. Sie können einen hervorragenden Anwalt, starke Beweise und einen berechtigten Anspruch haben, im falschen Forum verschwenden Sie trotzdem Zeit, Geld und Energie.

Es gilt auch umgekehrt. Eine schwächere Position in der Mediation zählt manchmal mehr als eine starke Position vor Gericht, weil in der Mediation die Bereitschaft beider Seiten entscheidet, eine Lösung zu finden. Und Bereitschaft ist oft ein stärkerer Antrieb als jeder Paragraph.

Merken Sie nach der Lektüre, dass ein Prozess in Ihrer Situation eher eine Frage des Prestiges als der Vernunft wäre, lesen Sie Nicht jede Schlacht lohnt sich. Wählen Sie dagegen den Gerichtsweg, zeigt Was Sie im Zivilprozess verlangen können, welche Waffen Sie haben, und Anwaltskosten im Gerichtsverfahren, was Ihnen das Gericht tatsächlich erstattet. Die Mediation wirkt unter anderem deshalb, weil sie die reaktive Abwertung (reactive devaluation) dämpft, also die Neigung, einen Vorschlag nur deshalb abzulehnen, weil er von der Gegenseite kommt. Diesem Effekt und weiteren Erkenntnissen der Verhaltensforschung über Streitigkeiten widme ich mich im populärwissenschaftlichen Text Paragraphen sind nur das Fundament: Psychologie und Taktik im Rechtsstreit. Die Wahl des Forums hängt zudem stark davon ab, wer darin entscheiden wird. Ein Richter, der Entscheidungsmüdigkeit (decision fatigue), dem Ankereffekt (anchoring) und eigenen Interessen ausgesetzt ist, ist eine andere Variable als ein Mediator; darüber schreibe ich in Psychologie der Beteiligten. Und wenn Sie überlegen, ob Sie statt eines Anwalts eigentlich einen anderen Fachmann brauchen, etwa einen Spezialisten für Krisenkommunikation, einen Mediator oder einen Therapeuten, empfehle ich den Text über den Anwalt als Illusionist und die Triage des Problems.

Bevor Sie entscheiden, wohin Sie mit Ihrem Streit gehen, gehen Sie die vier Fragen der Reihe nach durch, am besten mit jemandem, der emotional nicht in den Streit verstrickt ist.

Sie wägen ab zwischen Gericht, Mediation und Schiedsverfahren? In unserer Streitbeilegungspraxis gehen wir mit Ihnen alle drei Wege durch und wählen den, der Ihrer Sache am meisten hilft. Nehmen Sie Kontakt auf.

Häufige Fragen

Wann ist das Gericht besser als eine Mediation?

Wenn es Ihnen um ein Prinzip, einen Präzedenzfall oder die öffentliche Bestätigung geht, dass die Gegenseite rechtswidrig gehandelt hat, und Sie das beweisen können. Ein Urteil ist autoritativ, eine Mediationsvereinbarung hält nur fest, worauf man sich geeinigt hat.

Lohnt sich eine Mediation, wenn meine Beweise nicht ausreichen?

Ja. In der Mediation gibt es keinen Beweisstandard, und der Mediator entscheidet nicht, wer recht hat. Ein vernünftiges Ergebnis ist auch ohne starke Beweise möglich, sofern auch die Gegenseite ein Interesse hat, den Streit zu beenden.

Was kostet eine Mediation im Vergleich zum Gerichtsverfahren?

Einen Bruchteil. Sie zahlen das zwischen den Parteien geteilte Mediatorenhonorar und gegebenenfalls einen Anwalt; vor Gericht fallen Gerichtsgebühren, Anwalts- und Sachverständigenkosten an.

Ist eine Mediationsvereinbarung vollstreckbar?

Ja, wenn das Gericht sie als Vergleich genehmigt oder wenn Sie sie als notarielle Urkunde mit Unterwerfung unter die sofortige Vollstreckung errichten. Ein rechtskräftiges und vollstreckbares Urteil und ein rechtskräftiger Schiedsspruch sind ohne weiteren Schritt Vollstreckungstitel.

Wann lohnt sich ein Schiedsverfahren?

Bei internationalen Streitigkeiten, bei einer Schiedsklausel im Vertrag oder wenn Vertraulichkeit oberste Priorität hat. Bedenken Sie, dass es in der Regel eininstanzlich ist; eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters lässt sich also nur ausnahmsweise korrigieren.

Lohnt es sich, in der Mediation einen niedrigeren Betrag zu akzeptieren?

Das kann sich lohnen. Ein Mandant, der seinen ehemaligen Geschäftspartner auf zwei Millionen Kronen verklagen wollte, einigte sich in der Mediation innerhalb von drei Monaten auf 1,6 Millionen. Der Prozess hätte zwei bis drei Jahre gedauert und Hunderttausende gekostet, ohne sicheres Ergebnis.

Stehen Sie vor einer Situation, die
die richtige rechtliche Lösung erfordert?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Im ersten Gespräch geht es immer darum, Ihre Situation zu verstehen, nicht darum, etwas zu verkaufen.

  • 10–15 Minuten · kostenlos
  • Preis im Voraus
  • Unverbindlich

Unsere Rechtsdienstleistungen unterliegen unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen, sofern nicht anders vereinbart.